Friedrich Lutzmann - Autopionier aus Dessau

Seine Wurzeln in Dessau
Das Umfeld seiner Eltern
Der Familienname Lutzmann lässt sich bis ins 18. Jahrhundert in Dessau zurückverfolgen.
Friedrichs Großvater, Johann Gottlieb Lutzmann, betrieb zu jener Zeit in Dessau das Gasthaus „Zur Sonne“. Sein Vater, Carl Lutzmann, war als „Reitender Jäger“ in den Staatsdienst getreten und hatte seine Stellung als Herzoglicher Steueraufseher und Kreiskassenkontrolleur in Dessau. Wenig später heiratete er Friederike Krause, welche ihm dann drei Söhne und eine Tochter gebar.
Friedrich (Leopold) Lutzmann wurde 1859, als ältester Sohn, in der Stadt Nienburg an der Saale geboren. In dieser Zeit war das ehemalige Gebiet des heutigen Sachsen- Anhalts eine aufstrebende Industrieregion. Dessau, z. Bsp. ,war eine Industriestadt mit Betrieben des Maschinen- und Anlagenbaus, der Lebensmittelindustrie und ab 1915 des Flugzeugbaus.
Nach seinem Abitur lernte Lutzmann drei Jahre in einer Bauschlosserei. Als das Ende seiner Lehrzeit bevorstand, entschloss er sich noch für ein weiteres Jahr in einer Werkzeugschmiede, das Verstählen und Härten sowie den Bau von kleineren Maschinen zu erlernen. Nach dem absolvierten Militärdienst, arbeitete Lutzmann bei der Dessauer- Cottbusser- Maschinenbau- Actien- Gesellschaft in Cottbus, von wo er dann der Verwaltung der Gasanstalt zu Dessau eintrat.
Später folgte dann eine Tätigkeit in einer Maschinenfabrik in Dessau. Danach trat er eine erneute Wanderschaft durch verschiedene Kunstschlossereien, vor allem in Dresden an.
Anschließend reiste Lutzmann voller Inspiration nach Wien, Italien und der Schweiz um dort in verschiedenen Kunstwerkstätten zu arbeiten und sich fortzubilden.
Nachdem er seine Reise beendet hatte, beschloss Lutzmann 1886 wieder nach Dessau zurückzukehren und dort seine eigene Bau- und Kunstwerkstatt (in der Askanischen Straße 125) zu eröffnen, welche er zunächst erst zur Miete erwarb und später dann zu seinem Eigentum machte.
Im Jahre 1887 vermählte sich Lutzmann mit Aiwine Hulda Pole aus Raguhn.
Die Entwicklung seines ersten Automobils
Am 28. April 1893 erhielt Lutzmann durch das aufsehenerregende Erscheinen des ersten Automobil, einem „Benz Victoria Vis- a- Vis“, in Dessau die entscheidende Idee. Dieses mechanische Vierrad sollte dem Fahrrad Konkurrenz machen. Dieses Erlebnis blieb nicht ohne Wirkung. Lutzmann beschloss noch am gleichen Abend selbst einen Motorwagen zu bauen. Zunächst bestellte Lutzmann einen viersitzigen „Benz Victoria Vis- a- Vis“ bei der Firma Benz & Co. in Mannheim. Nach vier Monaten Wartezeit, fuhr er schließlich zum ersten Mal mit einem eigenen Automobil nach Dessau. Sein Ziel war klar: selbst einen eigenen Motorwagen konstruieren. So entwarf er einen eigenen Motor, variabel für verschiedene Leistungsstärken, Kugellager, Achsen, Wellen und auch Lenkgabeln der Vorderräder. Somit erreichte er einen wesentlichen leichteren Lauf und eine höhere Geschwindigkeit. Er verbesserte ebenfalls die Vordergabeln, in dem er sie kräftiger machte und nicht schräg sondern senkrecht ausführte. Als das verbesserte Automobil vollendet war, begann die Produktion des Lutzmann- Patent- Motorwagens im Mai 1894 in Dessau.
Die Fabrikationshalle, die sich hinter dem Wohnhaus Lutzmanns erstreckte.
Davor steht Friedrich Lutzmann mit seinen Kindern und Gesellen. Im Hintergrund befindet sich der erste Omnibus,
gebaut für das Kohle-Revier von Petrikau in Polen.
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